Ein Orchestrator an der Spitze, darunter ein Dutzend Spezialisten: So sind viele KI-Agenten in Unternehmen heute aufgebaut. Anthropic rät nun zum Rückbau. Das Applied-AI-Team des Claude-Herstellers empfiehlt in einem Beitrag vom 22. Oktober 2026, weniger Subagenten einzusetzen und sie schrittweise in einen Hauptagenten zurückzuführen. Das klingt nach reiner Technik. Es betrifft aber auch Kosten, Qualität und Ihre Compliance-Dokumentation.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anthropic empfiehlt in einem Beitrag vom 22. Oktober 2026, weniger Subagenten einzusetzen und sie schrittweise in einen Hauptagenten zurückzuführen.
  • In Vergleichen aus mehreren Enterprise-Projekten lieferte ein einzelner Agent mit Skills häufig die bessere Qualität, oft auch bei Kosten und Wartezeit.
  • Subagenten bleiben sinnvoll, wenn der Kontext messbar überladen ist, Aufgaben parallel laufen oder der Agent die falschen Werkzeuge wählt.
  • Jede Übergabe zwischen Agenten ist ein Datenfluss, deshalb macht ein schlanker Agent das VVT und die DSFA übersichtlicher.
  • Vor und nach jeder Änderung läuft derselbe Test, und ein Subagent fällt nur weg, wenn sein Ersatz nachweislich genauso gut arbeitet.

Was hat Anthropic beobachtet?

Ein Subagent ist ein Unteragent. Er erledigt eine Teilaufgabe in einem eigenen Kontextfenster und meldet nur das Ergebnis zurück. Genau hier liegt das Problem: Bei jeder Übergabe gehen Details verloren. Jede Übergabe kostet zusätzliche Tokens und Sekunden.

In Vergleichen aus mehreren Enterprise-Projekten lieferte ein einzelner Agent mit Skills häufig die bessere Qualität. Er schlug sowohl den Ansatz „ein Prompt für alles“ als auch das Subagenten-Design, oft auch bei Kosten und Wartezeit. Bei einem Kunden lief im Vergleich die einzelne Schleife laut Anthropic etwa doppelt so schnell.

Die Ursache ist oft organisatorisch. Anthropic verweist auf „Conway's Law“: Die Architektur bildet das Organigramm ab. Jedes Team baut seinen eigenen Subagenten, für das Ganze ist niemand zuständig. Parallel wächst ein „Frankenprompt“. Jedes Team ergänzt den System-Prompt um eigene Regeln, die sich teils widersprechen. Die Tests prüfen nur Teilaufgaben. Die Gesamtqualität bleibt dadurch im Dunkeln.

Warum reicht heute oft ein Agent?

Der Schlüssel sind Skills: Bündel aus Anweisungen und Prozesswissen, die der Agent nur bei Bedarf lädt. Zunächst sieht er nur eine kurze Beschreibung. Damit entfällt der häufigste Grund für die Aufteilung, nämlich ein überfülltes Kontextfenster.

Hinzu kommt der Fortschritt der Modelle. Laut Anthropic bewältigt ein Modell ab der Generation Opus 4.5 in einer einzigen Schleife deutlich mehr als erwartet. Es plant, ruft Werkzeuge parallel auf und korrigiert seinen Plan selbst. Wie weit das trägt, zeigt Claude Code: Anthropic hat dessen System-Prompt für die Claude-5-Modelle um über 80 Prozent gekürzt. Messbare Qualitätsverluste gab es in Anthropics Coding-Tests nach Herstellerangaben nicht.

Wann bleiben Subagenten sinnvoll?

Anthropic nennt drei Fälle:

  • Der Hauptagent arbeitet messbar schlechter, weil sein Kontext überladen ist.
  • Mehrere Aufgaben laufen parallel und brauchen jeweils einen frischen, danach verzichtbaren Kontext, etwa eine Recherche.
  • Der Agent wählt die falschen Werkzeuge oder der System-Prompt enthält widersprüchliche Anweisungen.

Ein Richtwert hilft bei der Planung: Ab etwa 30 bis 50 Tool-Definitionen leidet die Werkzeugwahl. Anthropic empfiehlt deshalb, Tools nach der Absicht der Nutzer zu gruppieren.

Wie gelingt der Umbau?

Für die Migration stellt Anthropic auf GitHub ein Kit bereit. Es führt in drei Schritten durch den Umbau: messen, eng gekoppelte Subagenten zusammenlegen, die übrigen einzeln in Skills und Tools überführen. Vor und nach jeder Änderung läuft derselbe Test. Ein Subagent fällt nur weg, wenn sein Ersatz nachweislich genauso gut arbeitet.

Anthropic warnt ausdrücklich vor blindem Zusammenlegen. Bei einem Beispiel-Support-Agenten senkte das Einfalten eines Subagenten zwar die Wartezeit. Gleichzeitig brach es einen Ablauf, der vorher funktioniert hatte. Der Fehler trat nur in jedem zweiten Durchlauf auf. Testen Sie deshalb jede Variante mehrfach. Beachten Sie außerdem: Das Kit ist eine Referenzimplementierung ohne Pflege und Support.

Was bedeutet das für Datenschutz und KI-Compliance?

Weniger Agenten bedeuten weniger Übergaben. Und jede Übergabe ist ein Datenfluss, den Sie kennen und dokumentieren müssen. Ein schlanker Agent macht das VVT (Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten nach Art. 30 DSGVO) und die DSFA (Datenschutz-Folgenabschätzung) übersichtlicher.

Auch die Verantwortung wird klarer. Anthropic empfiehlt ein kleines zentrales Team für System-Prompt und Gesamtqualität. Die Fachteams verantworten ihre Skills und Tools. Das erleichtert den Nachweis nach der Rechenschaftspflicht (Art. 5 Abs. 2 DSGVO).

Zwei Punkte aus den Anthropic-Empfehlungen passen direkt zu Privacy by Design (Art. 25 DSGVO). Erstens: Regeln wie Freigaben setzt der Code durch, nicht nur der Prompt. Zweitens: Gespeicherte Erinnerungen des Agenten brauchen eine Löschmöglichkeit und eine Aufbewahrungsfrist. Die dokumentierten Testläufe wiederum liefern Belege, wenn Kunden oder Aufsichtsbehörden nachfragen.

Welche Risiken KI-Agenten grundsätzlich mit sich bringen, lesen Sie im Beitrag Datenschutzrisiken durch KI-Agenten.

Was bedeutet das für die Praxis?

  • Bestandsaufnahme machen: Welche Agenten und Subagenten laufen, wer verantwortet sie, welche Daten fließen zwischen ihnen?
  • Testen: Vor jedem Umbau einen Test mit zehn bis zwanzig Musterfällen aufsetzen und das Ergebnis dokumentieren.
  • Dokumentation anpassen: Nach dem Umbau VVT und DSFA anpassen. Entfallen Subagenten bei anderen Anbietern, auch die AVV (Auftragsverarbeitungsverträge) prüfen. Mehr dazu im AVV-Check.
  • Zuständigkeit klären: Eine verantwortliche Stelle für den System-Prompt benennen. Neue Skills und Tools erst nach bestandenem Test freigeben.
  • Hochrisiko-KI prüfen: Prüfen, ob der Umbau eine wesentliche Veränderung ist. Dann können Sie nach Art. 25 Abs. 1 lit. b KI-Verordnung selbst zum Anbieter werden.

Mehr zu unserer Beratung: KI-Recht und KI-Verordnung und Datenschutzbeauftragter bei Hochrisiko-KI.

Häufige Fragen

Was ist ein Subagent?

Ein Unteragent. Er erledigt eine Teilaufgabe in einem eigenen Kontextfenster und meldet nur das Ergebnis zurück.

Sollten wir alle Subagenten abschaffen?

Nein. Anthropic nennt drei Fälle, in denen sie sinnvoll bleiben, und warnt ausdrücklich vor blindem Zusammenlegen.

Was ändert sich durch den Umbau im Datenschutz?

VVT und DSFA müssen angepasst werden. Entfallen Subagenten bei anderen Anbietern, sind auch die AVV zu prüfen.

Kann uns der Umbau zum Anbieter nach der KI-Verordnung machen?

Bei Hochrisiko-KI ist das möglich, wenn der Umbau eine wesentliche Veränderung ist (Art. 25 Abs. 1 lit. b KI-Verordnung).

Quellen

Rechtsanwalt Robert Harzewski